Migranten

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Die Entwicklung im Bereich der Drogenarbeit mit Migranten

„Sucht und Migration“, „Sucht in unserer multikulturellen Gesellschaft“, „Suchtprävention mit MigrantInnen“ – diese oder ähnlich klingende Veranstaltungen bzw. Publikationen, die sich zu häufen scheinen, sind Spiegelbild einer Entwicklung, die sich seit Ende der 80iger Jahre vollzieht. Den Problemen im Zusammenhang mit Drogenkonsum und Drogenmißbrauch bei Mitbürgern ausländischer Herkunft, die seit mehreren Generationen hier leben oder bei denen, die in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, werden mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

In Ahlen und im Kreis Warendorf ist diese Entwicklung besonders an zwei Gruppen von zumeist jugendlichen Drogenkonsumenten deutlich geworden.

Zum einen nahm die Zahl der türkischen Ratsuchenden zu, zum anderen ist – vor allem in den vergangenen zwei bis drei Jahren – die Zahl der Spätaussiedler, die die Beratungsstelle aufsuchen, gestiegen. Warum?

Unzählige Gründe werden benannt. Zum einen sind dies allgemeingesellschaftliche Faktoren, wie mangelnde berufliche Perspektiven, Arbeitslosigkeit, das Fehlen von familiärer Geborgenheit und der Enttabuisierung von Gewalt und Kriminalität. Zum anderen wird das Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen oder der Umstand, daß ausländische Schüler weit mehr als deutsche den Haupt- oder Sonderschulen zugewiesen werden, als Grund für (vermehrten) Drogenkonsum angeführt. Dies sind nur einige Tendenzen oder Gründe, die häufig benannt, aber teils wenig erforscht sind.

Wichtig ist – wie bereits angedeutet – daß im Bereich der Suchtkrankenhilfe mehr für Migranten bzw. hier aufgewachsene Mitmenschen getan wird. Für unsere Arbeit heißt das, spezifisches Wissen über kulturelle, soziale und wirtschaftliche Hintergründe der beiden Gruppen zu bündeln und unter Beachtung individueller Bedürfnisse der Ratsuchenden und (ausländer-) rechtlicher Aspekte in die Praxis umzusetzen.

An Bedeutung gewinnt daher:

  • die Aufklärungsarbeit (insbesondere bei den Spätaussiedlern, da sie teils noch nicht sehr lange hier in Deutschland leben) über hier gängige Konsummittel und -formen, Therapien und andere Angebote, die durch unsere Beratungsstelle zugänglich gemacht werden können
  • Verständigungsprobleme dadurch zu kompensieren, daß mehr Zeit verwendet wird, um im wahrsten Sinne des Wortes verstehen zu können
  • Ängste zu nehmen, die Ausländerbehörde könnte über die Beratungsstelle oder bei einer Therapievermittlung Informationen über die Drogenproblematik erhalten
  • mehr Angebote auszulagern und so zugänglicher zu machen (siehe die mobile Jugendarbeit im Ahlener Süd-Osten oder die mobile Drogenberatung mit Hilfe des Drobs-Mobils)
  • die Erschließung von und Kooperation mit spezialisierten Einrichtungen auf regionaler und überregionaler Ebene. (Es gibt leider immer noch zu wenige Therapieeinrichtungen, die sich auf Drogenkonsumenten türkischer bzw. osteuropäischer Herkunft spezialisiert haben.)

Ein Blick zurück auf diese Aktivitäten zeigt, daß es uns gelungen ist, türkische Jugendliche und junge Erwachsene mit unseren Angeboten zu erreichen. Möglich geworden ist dies durch eine kontinuierliche Fortsetzung der Bemühungen um diese Gruppe in den vergangen 7 bis 8 Jahren.

Im Vergleich dazu steckt die Arbeit für die Gruppe der Spätaussiedler erst in den Kinderschuhen. Daß sich erst kürzlich ein neuer sogenannter „Runder Tisch“ auf regionaler Ebene gründete ist ein Indiz dafür, daß zum einen der Integrationsprozeß zunehmend schwieriger wird, und daß zum anderen Konzepte und Ideen für einen konstruktiven Umgang mit den neuen Mitbürgern Mangelware sind. Dies ist vielfach übertragbar auf den Bereich der Drogenhilfe. Die vermehrte Behandlung von drogenabhängigen Spätaussiedlern macht es notwendig, die begonnene Auseinandersetzung mit ihrer spezifischen Situation fortzuführen und dem entsprechend Arbeitsperspektiven zu entwickeln.